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Malaysia I

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen…

Zugegeben, die Zeiten, als man noch in Ehrfurcht erstarrte, wenn es jemand im Urlaub tatsächlich weiter als bis nach Jesolo schaffte sind vorbei und der ferne Osten wurde von bierbäuchigen Sandalenträgern und auffällig unauffällig gekleideten Sextouristen gehörig entzaubert, aber ein klein wenig Neugier bleibt da schon, wenn man noch nie dort war. So ging es jedenfalls mir. Umso größer die Freude, als wir  zu viert vor gut einem halben Jahr beschlossen für 2 Wochen nach Malaysien zu fliegen. Thailand wäre aufgelegt gewesen, aber dort schlug man sich zu dem Zeitpunkt gerade gegenseitig die Köpfe ein und die fotografische Sparte „Kriegsberichterstattung“ wollte ich mir noch ein bisschen aufsparen.

Über Thailand weiß man aufgrund seiner Eigenschaft als beliebtes Urlaubsziel doch einiges, bei Malaysien wird die Erkenntnislage schon etwas dünner und das Halbwissen beschränkt sich auf „Hühnerfleisch nach malaysischer Art“ und irgend so eine Formel 1 Strecke. Dass das Land weit mehr zu bieten hat, merkt man, wenn man einschlägige Literatur bemüht und spätestens wenn man auf malaiischem Boden steht.

Drei interessante Fakten über Malaysien wären:

  • Malaysien war bis 1963 Teil des British Empire, also eine Kolonie. Neben dem noch immer spürbaren britischen Einfluss bringt das den angenehmen Nebeneffekt mit sich, dass die Einheimischen häufig Englisch sprechen.
  • Die Staatsreligion ist der Islam. Wer jetzt sofort an Steinigungen und Burkas denkt, der sei beruhigt, gerade die städtischen Ballungsräume und vorallem die touristisch geprägten Gebiete sind sehr westlich orientiert –  man will ja die Touristen, die eine große Einnahmequelle darstellen, nicht vergraulen. Trotzdem ist eine gesunde Portion Respekt und Verständnis für eine andere Religion und Kultur (wie eigentlich immer) angebracht. Wer mit seinen Adiletten in eine Moschee stolpert, um dem Vorbeter aus einem Meter Entfernung ins Gesicht zu blitzen, darf sich nicht wundern, wenn er zum Religionsfeind erklärt wird.
  • Es gibt 4 große Bevölkerungsgruppen in Malaysien: Malaien, Chinesen, Inder und indigene Bevölkerungsgruppen, wie zB die Orang Asli. Während letztere eher in den dünn besiedelten ostmalaiischen Gebieten anzutreffen sind, findet man die anderen drei über das ganze Land verteilt. Hier leben also 3 Weltreligionen friedlich nebeneinander – das hat mich wirklich beeindruckt. Während hierzulande ständig irgendwelche Hauptschulabsolventen versuchen in der Landespolitik aus der Ausländerhetze politischen Profit zu schlagen, sieht man dort die ganze Sache sehr entspannt.

Natürlich nimmt das persönliche Umfeld auch Anteil an der Tatsache, dass man verreist und allen, die einem traurig in die Augen schauen, weil sie nicht mitkommen können, muss man neben der Tatsache in einem Stück heimzukehren hoch und heilig versprechen ein paar schöne Bilder zu machen. Wenn man in seinem Bekanntenkreis als Fotograf verschrien ist oder – ich wage kaum daran zu denken – sogar diesen Beruf ausübt, beginnt hier der Stress. Die erwartungsvollen Blicke durchbohren einen geradezu und man liegt nächtelang wach und überlegt fieberhaft, aus welchem Blickwinkel man eine Sehenwürdigkeit, die man noch nie zuvor gesehen hat, am besten fotografiert. Man hat ja schließlich einen Ruf zu verlieren. Umgekehrt sind gottseidank die Zeiten stundenlanger Dia-Abende, die unter dem Motto „Auch sehr schön, auch sehr heiß“ liefen und fast immer unweigerlich in gekündigten Freundschaften gipfelten, vorbei und die fotografischen Eiferer und Ehrgeizler müssen ihre 5000 Bilder vom Urlaub mit Mutti in die Willkür des Internets entlassen.

5000 Bilder sinds bei mir nicht ganz geworden, etwas über 2000 hab ich in den 2 Wochen geschossen. Die durchlaufen aber noch sozusagen die interne Revision und am Ende bleiben dann nur die, die mir wirklich gefallen. Das ist in der Regel ca. eines von 10.

Á propos Bilder: ich könnte mir hier die Finger wund schreiben, so viel von den Eindrücken rumoren noch in meinem Kopf, aber es jetzt gibts erst mal was zu sehen.

1. Station: Kuala Lumpur

Eine Stadt mit 2 Gesichtern. Auf der einen Seite ragen zahlreiche Wolkenkratzer in den Himmel und vermitteln den Eindruck einer modernen Weltstadt, Kopftücher sieht man selten und auch ansonsten könnte man glatt vergessen, dass man sich in einem muslimischen Land befindet.Auf der anderen Seite vermittelt Chinatown mit seinen hektischen Märkten und  dampfenden Foodstalls einen authentischen Eindruck von Asien.

Nach 12 Stunden Flug stolpere ich also durch diese Flut von Eindrücken und tue mir schwer irgendetwas nicht zu fotografieren. Alles ist irgendwie exotisch und fremd und vorallem sitzt mir die Panik im Nacken ein tolles Motiv zu verpassen. Also knipse ich wie ein Blöder in der Gegend herum und lerne gleich eine wichtige Lektion der Reisefotografie:

Wenn du an einem fremden Ort bist, solltest du lieber ein paarmal öfter auf deine Füsse schauen, als durch den Sucher.

Etwa eine Stunde in KL und ich liege auf der Pfeife. Knie aufgeschlagen, Kamera heil – damit kann ich leben.

Eine Erkenntnis, zu der man recht schnell gelangt, ist die. dass Kuala Lumpur ganz offensitlich nicht für Fussgänger ausgelegt ist. Die Gehsteige sind wenn vorhanden recht schmal und werden sowieso von den Mopedfahrern mitbenutzt – wer steht schon gern im Stau. Fussgängerampeln gibt es wahrscheinlich gezählte 5 Stuck in der ganzen Stadt und 4 davon funktionieren nicht. Als Fussgänger braucht man hier neben starken Nerven vorallem einen ausgeprägten Überlebenswillen. Dafür nicken alle Mopedfahrer wohlwollend, wenn man ihnen erzählt, dass man aus Österreich kommt, KTM kennt und fährt man hier schließlich. Wir schlagen uns also durch die Stadt bis zur National-Moschee vor. Alle 4 barfuss und die Mädels vom Portier zwangsverschleiert, erhaschen wir einen Hauch Islam in einer sonst sehr westlich geprägten Stadt.

Ein zentraler Punkt in der südost-asiatischen Kultur ist das Essen – noch viel mehr als bei uns. Und da sich ein Großteil des Lebens auf der Straße abspielt, isst man auch dort. Also nicht „auf“ der Straße…eher „an“ der Straße. An jeder Ecke bekochen einen die Hawker (Essensstandler) in Windeseile mit allem, was das Herz begehrt und das zu einem Spottpreis. Wer es hier schafft mehr als umgerechnet 3 Euro für ein komplettes Mittagessen auszugeben, der muss sich dazu heillos überfressen. Eine gewisse Neugier, was fremdländische Küche angeht ist aber sicher von Vorteil, denn trotz der Tatsache, dass fast jede Speisekarte bebildert ist, kann man sich nie zu hundert Prozent sicher sein, was im Endeffekt alles auf dem Teller landet.

Eine der traditionellen Sehenswürdigkeiten der Stadt findet man ein Stückchen außerhalb. Mit dem Taxi erreichen wir nach einem kurzen Ausflug auf den Freeway die Batu Caves, eine hinduistische Tempelanlage, die in die riesigen Kalksteinhöhlen gebaut wurde. Wir stapfen die lange Treppe hinauf zur Haupthöhle, vorbei an schnaufenden Amerikanern, die sich lautstark über den fehlenden Lift beklagen. Oben angekommen fühle ich mich wie beim betreten des Stephansdoms – die Höhle ist gewaltig und die luft angenehm kühl. Ein Hindupriester bittet um eine kleine Spende für den Tempel und posiert dafür mit den Mädels für ein Foto. So atemberaubend die Höhle auch ist, die wahren Publikumsmagneten hier sind die ansässigen Affen. Eine große Gruppe Makkaken bevölkert den Tempel und lässt sich, ähnlich wie die Priester, für eine kleine Spende fotografieren. In diesem Fall interessieren sich die Herren und Damen allerdings eher für Sachspenden in Form von Futter. Sind die Besucher nicht spendabel genug, wird schon das ein oder andere Mal eine Tasche gemopst oder einfach der Mistkübel ausgeleert.

Wieder unten angekommen, hat die Mittagshitze bereits ihren Höhepunkt erreicht. Eine willkommen Erfrischung sind hier die Kokosnüsse, die man an jeder Ecke zu kaufen bekommt.

Drei Tage bleiben wir in Kuala Lumpur, danach gehts mit dem Zug weiter in den Norden, nach Ipoh, aber dazu das nächste Mal mehr. Unten gibts noch ein paar Impressionen aus der Stadt.

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