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Dave Hill Look

Heute mal wieder was zum Thema Postprocessing. Vor ein paar Tagen bin ich im Netz über ein paar Bilder des Fotografen Dave Hill gestoßen. Seine Fotos haben einen extrem plastischen, leicht Comic-artigen Look, der sich seit geraumer Zeit relativ großer Beliebtheit unter Fotografen erfreut. Dementsprechend viele „Dave Hill Look“-Tutorials geistern durchs Netz und Flickr spuckt nach entsprechender Suchanfrage Tonnen an Bildern aus. Viele schmeicheln seiner Technik, andere weniger. Herr Hill wird sich jedenfalls freuen, dass sein Bearbeitungsstil so großen Anklang findet.

Wenn es jetzt um detailierte Infos geht sind die meisten Profis was ihre Aufnahmen angeht naturgemäß relativ knausrig. Manchmal gibt es relativ diffuse Making Of’s, manchmal kann man um mehrere hundert Dollar eine Trainings-DVD kaufen. Also bleibt es der Comunity überlassen hier den Granden hinterher zu tüfteln. Und an dieser Stelle möchte ich mal was loswerden:

In diversen Foren spielt sich hundertfach immer die selbe Szene ab. Jemand (meistens ein Anfänger – das ist bereits sein erster Fehler) fragt, wie denn der berühmte Fotograf XY diese(s) Bild(er) so hinbekommen hat, weil er auch gern ein Bild so gestalten würde. Und dann gehts meistens schon los. Andere (meist „arrivierte“ und sich demnach immer im Recht befindliche) Fotografen schreien da Plagiarismus, Trittbrettfahrer, Tod und Teufel. Stil kopieren geht gar nicht, Frechheit, dass man noch so dreist fragt. Selber probieren!

Ok, selber probieren ist immer gut, aber nicht alles. Woher soll man denn was lernen? Und vielmehr geht es nicht ums Kopieren, sondern um Inspiration. Leute wie Dave Hill sind wohl kaum ihre ganze Karriere über im stillen Kämmerlein gesessen und haben sich ihren Stil aus den Fingern gesaugt. Die haben wahrscheinlich auch andere Fotografen „kopiert“ und irgendwann ihre eigene Linie gefunden. Picasso hat wahrscheinlich mal zähneknirschend die Mona Lisa nachgepinselt und Jimi Hendrix im Schweiße seines Angesichts ein Lied von Chuck Berry gelernt. Deswegen – und das ist meine bescheidene Meinung – sollte man, wann immer einem ein Foto gefällt, auch versuchen dahinter zu kommen, wie es zustande gekommen ist. Wenn man das schafft, wird man am Ende des Tages wahrscheinlich einiges gelernt haben.

In diesem Sinne hab ich mich an eben besprochenen Stil versucht. Man übe Nachsicht mit dem Ergebnis, im letzten Detail erschließt sich mir die Technik noch nicht. Was ich aber bis jetzt gelernt hab ist folgendes:

1. Man nehme ein gut bis perfekt ausgeleuchtetes Foto zur Hand. Wenn man die Making Of’s auf Dave Hills Website anschaut, merkt man, dass er da nichts dem Zufall überlässt. Wenn man kein solches hat, funktioniert der Rest schlecht bis gar nicht. Mein Foto war da so an der Kippe.

2. In Photoshop spielt sich 70% der Action im Menüpunkt „Tiefen & Lichter“ ab. In den erweiterten Optionen kann man gern stundenlang an den Reglern drehen und versuchen zu verstehn, was diese bewirken. Im Wesentlichen geht es darum die Tonwerte des Bildes (ähnlich wie bei einem HDR) zu komprimieren.

3. Die Schärfe bekommt man über den Hochpassfilter rein. Der muss da mindestens einmal drüber. Besser mehrmals mit anderen Einstellungen.

4. Stellen, die nicht scharfgezeichnet werden sollen, überlässt man am besten dem Gaußschen Weichzeichner. Einmal gleich zu Beginn und bei Bedarf noch später im Verlauf.

5. Einen derart elaborierten Workflow lernt man nicht von Heute auf Morgen. Da braucht es viel Geduld und noch mehr Praxis. Das musste ich nach einigen Stunden und unzähligen Versuchen heute auch feststellen.

Was lässt sich also abschließend festhalten: üben, üben, üben. Das schreib ich mir jetzt nochmal selber hinter die Ohren. Unten gibts also noch meine bescheidene Interpretation und das dazugehörige Original. Über meine Pose lässt sich streiten, ich weiß  🙂

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