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Israel – Teil 3

„Willkommen in Jordanien!“ – etwas vorschnell begrüßt mich der jordanische Netzprovider via SMS auf meinem Handy. Tatsächlich sitze ich gerade im Bus, der sich durch die Serpentinen der judäischen Wüste schlängelt. Obwohl Jordanien nur einen Steinwurf entfernt liegt, befinden wir uns im palästinensischen Autonomiegebiet, dem Westjordanland. Es wurde 1967 im Sechstagekrieg von Israel erobert, nachdem es Jordanien seit 1948 okkupiert hatte.

Ich schaue verträumt hinaus in die steinige, karge Landschaft, während Stephan über den jordanischen Provider flucht, der ihm gerade eine Servicepauschale für ein paar fadenscheinige Kilobyte verrechnet hat und Phyllis ihre Tiraden über die Palästinenser herunter rattert. Alle paar Kilometer taucht entweder eine jüdische oder arabische Siedlung am Horizont auf. Dass um dieses knochentrockene Stück Land dermaßen gestritten wird, scheint fast nicht nachvollziehbar. Noch erstaunlicher ist aber, dass es die Menschen hier tatsächlich schaffen Landwirtschaft zu betreiben – wenn auch in bescheidenen Ausmaßen. Die Olivenbaumplantagen an den Straßenrändern zeugen von der Entschlossenheit der Siedler in dieser Ecke der Welt ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

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Als erster Programmpunkt steht heute ein Kamelritt an. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich schon erhaben wie Lawrence von Arabien durch die endlosen Dünenmeere der Wüste reiten, getragen von meinem edlen Reittier, den Blick gebannt auf den Horizont gerichtet, in der Hoffnung rechtzeitig die nächste Oase zu erreichen, oder einen elenden Tod zu erleiden, in einer Landschaft, deren Schönheit nur von ihrer Tödlichkeit übertroffen wird.

„Keine Sorge. In maximal zehn Minuten sind wir wieder da“, erklärt mir einer der Kamelführer zu und klopft meinem edlen Reittier auf den Rücken, woraufhin es zufrieden einen fahren lässt. Lawrence von Arabien dreht die Augen über und löst sich langsam auf.

Als wir nach einer kleinen Spritztour wieder von den Kamelen steigen, kommt mir noch die Idee, schnell ein lustiges Selfie mit meinem reitbaren Untersatz zu machen. Was das Kamel von meiner Idee hält, zeigt es mir, als es mir nach dem fünften Foto eine ausgewachsene Kopfnuss austeilt. Ein nettes kleines Veilchen bahnt sich unter meinem linken Auge an. Dafür sind die Fotos was geworden.

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Wir fahren weiter nach Süden, entlang der Küste des Toten Meeres, bis wir die Hänge eines einzelnen Tafelberges erreichen. Auf dessen flachen Gipfel ließ König Herodes die imposante Palastanlage Masada errichten. Nach seinem Tod, diente sie 66 n. Chr. den jüdischen Aufständischen im Krieg gegen das römische Imperium als Rückzugsort. Die Römer belagerten die Festung monatelang mit mehreren tausend Mann und schütteten eine Belagerungsrampe an einer Bergseite auf. Als sie schließlich die Mauern überwanden, hatten sich die fast tausend Bewohner der Anlage selbst getötet, um in Freiheit zu sterben, statt den Römern in die Hände zu fallen. Masada gilt bis heute als Symbol des jüdischen Freiheitswillens.

 

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Die dritte und letzte Station unserer Reise lädt angenehmerweise zum Entspannen ein. Wir besuchen einen Badestrand am Toten Meer. Zur Erklärung: Wenn man Spaghettiwasser am Herd vergisst und es stundenlang kochen lässt, dann bleibt vermutlich ein kleiner Rest extrem salziger Rückstand im Topf. Das ist dann das Tote Meer. Durch den extrem hohen Salzanteil im Wasser hat mein einen Auftrieb wie eine Gummiente mit Blähungen – es ist praktisch unmöglich unterzugehen. Was nicht heißt, dass es nicht schon einige Spezialisten geschafft haben hier zu ertrinken. Bevor man sich aber entspannt ins Wasser legt, sollte man sich vorher noch mit dem mineralhaltigen Schlamm einreiben, der in Kanistern am Strand zur Verfügung gestellt wird. Aus selbigem werden auch allerhand Cremen hergestellt, die dann um teures Geld in die ganze Welt exportiert werden.

 

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Am Heimweg fühlt sich meine Haut jedenfalls glatt wie ein Babypopo an. Ich habe sechs Tage in Israel verbracht und irgendwie doch das Gefühl, dass ich nur einen Bruchteil von dem gesehen habe, was dieses Land zu bieten hat. Alon bekräftigt beim Abschied am nächsten Tag nochmals seine Einladung, ich möge doch jederzeit wiedermal hereinschneien, und ich denke diesmal nehme ich ihn da sogar beim Wort.

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