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Sri Lanka II

Nach meinem letzten Post hat der ein oder andere vielleicht schon messerscharf kombiniert, dass ich mich vor Kurzem in Sri Lanka aufgehalten haben muss. Zwar hab ich die ersten Bilder mehr oder weniger kommentarlos gepostet, aber der Titel war doch ein unscheinbarer Hinweis. In der Vergangenheit habe ich immer wieder Bilder ohne Text gepostet, doch diesmal hatte meine Sprachlosigkeit einen recht profanen Grund: ich wusste nicht, was ich schreiben sollte. Wenn einen ein Land und seine Bewohner so berühren, wie es bei mir in diesem 18 Tagen der Fall war, spürt man fast eine moralische Verpflichtung, dem auch im Begleittext zu den Fotos gerecht zu werden. Diese selbst auferlegte Bürde machte sich bei mir schon vor Ort bemerkbar und so ratterte mein Hirn unablässig in den vielen Stunden, die ich auf dem Rücksitz unseres Autos in die Landschaft starrte und spuckte mir Einleitungen für meinen Text aus, die ich mental aber gleich wieder zerriss. Irgendwas würde mir schon einfallen, tröstete ich mich. Doch als ich ein paar Tage nach unserer Heimreise vor dem Laptop saß, hatte ich nur weißes Rauschen zwischen meinen Ohren. Zu trivial sollte das Ganze nicht klingen („auch sehr schön, auch sehr heiß“), aber auch nicht zu prätentiös (ich habe dort weder zum buddhistischen Glauben gefunden, noch meine spirituelle Verwandtschaft zu irgendwelchen Ureinwohnern entdeckt). Ich wollte einfach ehrlich zum Ausdruck bringen, was all die Spaziergänge auf den hektischen Märkten, all die Wanderungen in der umwerfenden Naturkulisse und all die Gespräche mit den Einheimischen in mir hinterlassen haben: einen Blick in das Leben von Menschen, die fast am anderen Ende der Welt leben und trotzdem mit Selbstverständlichkeit und bedingungsloser Freundlichkeit einen Fremden willkommen geheißen haben.

Tatsächlich frage ich mich manchmal, ob es generell ein neuzeitliches oder im Speziellen ein österreichisches Phänomen ist, dass wir völlig von der Rolle sind, wenn uns wildfremde Menschen freundlich begegnen. Aber nachdem meines Wissens nach bereits in Reiseführern explizit auf die sprichwörtliche Grantigkeit der Wiener hingewiesen wird, vermute ich eher Zweiteres. Deshalb war ich als gebranntes Kind fast überrumpelt von der Freundlichkeit und Offenheit der Sri Lanker. Allerorts leuchten einem weiße Zahnreihen aus dunklen Gesichtern entgegen, Kinder winken, Marktstandler zwinkern und jeder scheint ein nettes Wort für einen parat zu haben. Und würde man heute einen Botschafter dieser sri lankischen Freundlichkeit ernennen, gäbe es wohl keinen besseren als unseren Tourguide Thilanka. Jeden Morgen empfängt er uns mit einem breiten Lächeln und einem freundlichen Schulterklopfer vor unserer Unterkunft und gibt uns immer aufs Neue das Gefühl, dass wir heute einen großartigen Tag vor uns haben. Sein sonniges Gemüt wird nur von seinem schier unerschütterlichen Berufsethos übertroffen. Unsere anfänglichen Einladungen zum Essen schlägt er kategorisch aus. Er wolle weder die Zeit noch das Geld seiner Klienten verschwenden. Irgendwann pendeln wir uns bei gemeinsam essen und getrennt zahlen ein. Die meiste Zeit jedoch ist Thilanka mehr als bemüht, uns so viel Freiraum wie möglich zu lassen.

Am Ende unserer Reise weicht er allerdings seinen eigenen Ehrenkodex etwas auf und lädt uns zu sich nachhause ein, wo wir seine Familie kennenlernen, gemeinsam Tee trinken und ich ein paar Lieder für ihn auf seiner Gitarre klimpere.

Ich habe mich selten so willkommen und gut aufgenommen gefühlt, wie in Sri Lanka. Obwohl der Massentourismus hier längst Einzug gehalten hat, ist man als Westler in vielen Teilen des Landes doch noch ein Exot und die Einheimischen dementsprechend neugierig. Als ich einmal während eines Stromausfalls ziellos vor unserer Unterkunft umherwandere, lädt mich sofort ein netter Opa zu sich auf die Veranda ein, wo wir gemeinsam über das schlechte Stromnetz in dieser Region ablästern und ich ihm alles mögliche über Österreich erzählen muss. Was es denn bei uns so gibt. Öl? Gold? –  Naja, Bier und Lederhosen. – Auch gut.

Für kollektives Kopfschütteln allerorts sorgt die Tatsache, dass ich mit einer analogen Kamera durch die Gegend renne und immer wieder mal um einen Moment Pause bitte, um den Film zu wechseln. Von wegen reiche Europäer – ich kann mir anscheinend nicht mal eine vernünftige digitale Kamera leisten. Tatsächlich habe ich neben meiner analogen Leica noch die digitale Fuji X100T im Gepäck, die meistens dann herhalten muss, wenn es zu dunkel für meinen 100 ISO Film ist – so bin ich etwas flexibler.

Die Tatsache, dass 3 Nächte die längste Zeit sind, die wir an einem Ort verbringen, mag im ersten Moment zwar stressig erscheinen, macht sich aber im Hinblick auf die vielfältige Natur wirklich bezahlt. Mehr als einmal denke ich mir: Jammerschade, hätte ich gerade das nicht gesehen. Besonders das Hochland im Inneren der Insel ist eine Klasse für sich. Teeplantagen soweit das Auge reicht, Berge und angenehme 2o Grad machen den Aufenthalt hier zu einem Genuss. Außer für Thilanka. Der friert sich hier seinen Allerwertesten ab und fängt sich am ersten Tag in den Bergen gleich einen Schnupfen ein. Umso glücklicher ist er, als wir wieder in tiefere Lagen aufbrechen, wo angenehme 32 Grad mit 98% Luftfeuchtigkeit vorherrschen.

Zuhause im kalten, verregneten Wien packt mich gerade ein bisschen die Wehmut, wenn ich die letzten Bilder sortiere und hochlade. Kein verschwitztes Hemd mehr am Rücken, keine Meeresbrandung in den Ohren und kein Curry mehr in der Nase. Aber dafür ein Haufen schöner Erinnerungen…


Falls euch jetzt die Lust gepackt haben sollte nach Sri Lanka zu reisen und ihr einen verlässlichen, netten und seriösen Tourguide sucht, kann ich euch Thilanka wärmstens empfehlen. Unsere Reise wäre ohne ihn sicher bei weitem nicht so entspannt und aufschlussreich gewesen.

https://www.facebook.com/ThilankaTours/

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